Off-Topic: Blograub und Urheberrecht im Internet

Ich schreibe heute ausnahmsweise mal komplett am Thema meines Blogs vorbei. Eigentlich hatte ich eine sehr erfolgreiche Woche, ich konnte einen neuen Besucherrekord aufstellen, als ich 326 Sitzungen an einem einzigen Tag hatte, der Finanzwesir Albert hat meinen letzten Beitrag in seinen Wochenrückblick aufgenommen und ich habe sehr viel positives Feedback für meinen Blog von einigen ehemaligen Kommilitonen bekommen, die am Wochenende in Hamburg zu Besuch waren. Außerdem ist heute Sonntag, das Wetter wechselhaft, aber die Sonne schaut immer mal wieder vorbei, also eigentlich perfekt für die Vorbereitung meines nächsten Blogposts. Das Schreiben macht mir Spaß und die wachsenden Besucherzahlen machen es zu einer wahren Freude, weiter an Betonrendite.de zu arbeiten. Wie schafft man es also, mir die Laune zu vermiesen? – ein persönlicher Beitrag –

Update vom 24.04.2017: Option B hat geholfen und das Plagiat ist entfernt.

Blograub Urheberrecht

Mein Morgenritual

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und Morgenrituale sollen ja bekanntlich dabei helfen, gut in den Tag zu starten und erfolgreich zu sein. Zu meiner morgendlichen Routine gehören dabei natürlich auch ein Blick auf die Besucherstatistiken des Vortages, Twitter und Facebook, sowie das Lesen der ersten Mails. Ich stecke viel Zeit und Herzblut in mein Projekt, dementsprechend schaffe ich es häufig noch nicht einmal aus dem Bett, bevor Handy und Laptop schon am Arbeiten sind.

Heute ist mir während meines Morgenrituals allerdings etwas aufgefallen…

Warum bin ich so sensibel, wenn es um Content-Klau geht

Im März hat der Finanzkoch Christoph in seinem Beitrag über den Blograub davon berichtet, dass sein Blog 1:1 gespiegelt wurde und welche Konsequenzen daraus folgten. Google hat eine ganz eindeutige Politik, was den sogenannten Duplicate Content angeht – in den meisten Fällen werden beide Seiten abgewertet, also sowohl das Original, als auch die Kopie. Genauso war es auch beim Finanzkoch, die Besucherzahlen gingen deutlich zurück. In einem anderen Beitrag habe ich einmal gelesen, dass das vorherige Ranking nie wieder erreicht wurde, in jedem Fall dauert es aber sehr lange, bis das vorher sehr aufwändig aufgebaute Ranking in den Suchmaschinen wieder zurückkehrt.

Jetzt bin ich sensibilisiert

Der Beitrag hat mich etwas sensibilisiert für ein Thema, das vorher für mich ganz weit weg war: Urheberrechtsverletzungen und Content-Klau. Ich habe im letzten Jahr ein Seminar über Internetrecht und Intellectual Property besucht, aber wer kann schon ahnen, dass der eigene Inhalt wirklich einmal dreist kopiert wird.

Und doch ist es geschehen, ich habe eine Website entdeckt, die wortwörtich einzelne Absätze und ganze Seiten kopiert hat.

Immerhin würdigt er meine Inhalte

Sieht man es sportlich, sollte ich mich darüber freuen, dass meine Inhalte kopiert werden. Schließlich zeigt der Kopierende so, dass ich aus seiner Sicht qualitativ hochwertig schreibe und kopierwürdig bin, aber durch den potenziellen Suchmaschinen-Schaden kann ich das Thema nicht ganz so sportlich sehen.

Mit digital natives legt man sich nur einmal an

Gegenüber dem Finanzkoch, der nach eigener Aussage so wenig wie möglich mit der Technik im Hintergrund zu tun haben will, habe ich einen kleinen Vorteil: ich bin digital native, sehr IT-affin und entwickele meine Seite komplett selbst. Außerdem weiß ich, wie man die Möglichkeiten von Google richtig ausreizt und was ich tun muss, um mich zu wehren. Da wäre zum einen der sogenannte DMCA-Löschantrag bei Google, durch den ich die Urheberrechtsverletzung mitteilen und vorsorglich die betroffenen Seiten aus der Suche entfernen kann. Mit etwas Glück, greift das noch vor einer Abstrafung meiner Seite, weil ich den Diebstahl meiner Inhalte noch sehr früh bemerkt habe.

Wie geht es jetzt weiter?

Zum anderen habe ich alle Beweise gesichert, den Domaineigentümer ermittelt (ein Impressum fehlt bisher) und ein umfassendes Paket geschnürt, das ich in Kürze an meinen Anwalt übergeben werde. Da die Seite unter einer Subdomain einer größeren Plattform läuft und noch nach „Baustelle“ aussieht, gewähre ich dem Betreiber den „benefit of a doubt“, dass die Inhalte nur Platzhalter sind und zügig wieder verschwinden.

screenshot blograub betonrendite
Der Plagiator war immerhin so freundlich, eigene Bilder einzufügen

Hinter welchem Tor steckt der Zonk?

Da er ja meine Beiträge zu lesen scheint, stolpert er jetzt vielleicht auch schon über seinen Verstoß, entfernt meine Texte und lässt es in Zukunft (Option A – meine Empfehlung). Andernfalls bekommt er morgen früh einen Anruf von mir in der Hoffnung, dass er meinen Warnschuss zu schätzen weiß, die Inhalte umgehend verschwinden und zukünftig auch nie wieder auftauchen (Option B – nicht schön, aber noch kostenlos). Option C involviert dann meinen Anwalt (so rentiert sich das kostenlose Seminar für ihn dann doch noch), Schadenersatz, eine Unterlassungserklärung und was sonst noch rechtlich möglich ist – das dürfte teuer werden und fühlt sich ein wenig nach einem Schuss mit Kanonen auf Spatzen an. Wenn ich allerdings die Zeit und Mühe sehe, die ich in jeden einzelnen Beitrag und jeden Teil der Betonrendite.de-Seite stecke, dann relativieren sich meine Bedenken wieder ganz schnell.

Fazit

If you wanna dance, you’d better bring your dancing shoes. Ich bin technisch vorbereitet und für den Tanz gewappnet, wenn man es wirklich wagen will. Den Plagiator habe ich gefunden und identifiziert, noch bevor die Subdomain mit den Kopien im Google-Index war. Auch zukünftig werde ich alle technischen Möglichkeiten nutzen um mich gegen den Diebstahl meines geistigen Eigentums zur Wehr zu setzen und ab sofort bin ich dabei umso motivierter. Über eine Versicherung macht man sich häufig auch erst Gedanken, wenn der Schadenfall eintritt und man nicht abgesichert ist.

Wenn jemand noch Tipps für mich hat, dann freue ich mich über jeden Kommentar oder gerne auch Mails oder Nachrichten bei Facebook.

P.s.: Ich nenne die kopierende Seite nicht, da ich dem Betreiber keine zusätzlichen Besucher bescheren möchte und ihm auch keinen Backlink zugestehe. Sollte er sich aber nicht als kooperativ erweisen, dann schließe ich keine Maßnahmen im Rahmen des rechtlich Möglichen meinerseits mehr aus.

Update – Option B hat funktioniert

Es gibt gute Neuigkeiten: Der Kandidat hat sich für Option B entschieden und der kopierte Inhalt ist nicht mehr im Netz zu finden.

Aber im Detail: ich hatte ja schon angekündigt, dass der Domaininhaber nicht verschleiert wurde. Dementsprechend konnte ich denjenigen heute telefonisch erreichen und auf die Kopie und die möglichen Konsequenzen angesprochen, versicherte er mir, die Seite binnen zehn Minuten vom Netz zu nehmen. Es handele sich um eine Seite im Entwicklungszustand und meine Texte wären Platzhalter gewesen (kommt mir bekannt vor, erinnert mich an meinen „benefit of a doubt“).

Was geschah dann? Es funktionierte! Fünf Minuten später klingelte mein Telefon, die Seite war offline und die Gegenseite hat mir ein geschäftliches Angebot gemacht. Aufgrund der guten Entwicklung von Betonrendite und meiner technischen Fähigkeiten (ich hatte die Seite noch vor Google gefunden) sei man überzeugt gewesen, dass ich ein geeigneter Werbepartner wäre.

screenshot blograub erfolg
Manchmal helfen freundliche aber bestimmte Worte auch zum Ziel zu kommen. Das Plagiat ist entfernt.

Lessons learned

Was habe ich in den letzten 36 Stunden gelernt? Vertrauen in Rechtschaffenheit ist gut, Kontrolle ist besser. Ich werde weiterhin und noch gezielter Ausschau nach Plagiaten halten. Die Registrierung meiner Marke ist schon länger in Planung (und anwaltlicher Vorbereitung), ist jetzt aber ganz oben auf meine ToDo-Liste gerutscht.

Glücklicherweise hat sich durch das schnelle Handeln kein SEO-Schaden ergeben und die Zugriffe über die Suchmaschinen sind heute nicht zurückgegangen. Außerdem hat sich gezeigt, dass manchmal auch eine friedliche Lösung gefunden werden kann, auch wenn der fade Beigeschmack bleibt.

Über Yanneck-Morten Bliesmer

Avatar for Yanneck-Morten BliesmerYanneck-Morten Bliesmer ist der Autor hinter Betonrendite.de. Er hat in Hamburg, Holzminden und Australien Immobilienmanagement studiert und parallel privat wie geschäftlich in Immobilien investiert. Jetzt setzt er sein Wissen ein, um Privatpersonen in Zeiten schwacher Zinsen die Investition in Immobilien zu erleichtern.

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3 thoughts on “Off-Topic: Blograub und Urheberrecht im Internet

  1. Hi,
    da bist du ja noch einigermaßen gut rausgekommen aus der Angelegenheit. Schade, dass es Leute gibt, die einfach zu faul sind selber Content zu erstellen und von anderen klauen. Wünsche dir auf alle Fälle für die Zukunft, dass du da vorerst deine Ruhe vor hast.

    Darf man fragen, wie du ihm so früh auf die Schliche gekommen bist? Eher zufällig oder hast du irgendwelche technischen Tools um Duplicate Content zu finden? (Wenn du es überhaupt erzählen möchtest…)

    Gruß,
    Emanuel

    1. Hi Yanneck,
      ich hätte die selbe Frage wie Emanuel, denn auch wenn wohl Manche nicht nur den Inhalt sondern auch noch das das Design 1:1 kopieren, muss man dies erst Mal entdecken oder durch Glück darauf aufmerksam gemacht werden, bevor das Klon an Größe gewinnt.
      Bist du mittlerweile auf nützliche Plugins oder Anbieter gestoßen, die den eigenen Text mit Beiträgen im Internet regelmäßig und automatisch abgleichen, um Duplikate zu entdecken?
      Gruß,
      Wolfgang

  2. Hi Yanneck,
    das ist schon eine echte Schweinerei. Ich kann selbst nachvollziehen, wie viel Arbeit die komplette Verwaltung der eigenen Seite macht. Finde gut, dass du auch technisch und inhaltlich deine Seite betreibst und nicht nur eine von beiden Seiten. Früher oder später (je nachdem wie deine Einnahmen laufen) wirst du so sehr großen Nutzen daraus entnehmen, selbst wenn du mal Aufgaben abgeben solltest. Wenn man als Opfer die Folgen einer solchen Copyright-Verletzung liest, dann könnte ich explodieren. Zum Glück ist die Behebung bei dir vor deiner Google-Abstrafung gelungen.
    Leider ist der Diebstahl aber noch weitreichender, der Inhalt wird selten nur auf anderen Websites dupliziert, auch Youtube-Videos habe ich mit nahezu identischen Inhalten gefunden. Es gibt sogar sehr bekannte, welche die Themen und Inhalte exakt nach den Posts auf dem eigenen Blog bringen.

    Ok, zumindest wünsche ich dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Blog.

    Beste Grüße
    Sandro

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